Sonderpreis: Young Company of Practise – Youcomp e. V., Weiherhammer

Erste deutsch-tschechische Fachklasse zum Maschinen- und Anlagenführer

Filmbeitrag zum Projekt

Anlass für die Initiative (Problemstellung)

In Tschechien gibt es keine duale Ausbildung. Dennoch soll es tschechischen und deutschen Auszubildenden dort ermöglicht werden, eine Ausbildung mit Praxisanteilen und einem sowohl in Deutschland als auch in Tschechien anerkannten Ausbildungsberuf mit IHK-Abschluss zu erlernen. Hierbei sollen den Teilnehmern nicht nur die berufsspezifischen Fähigkeiten, sondern auch die jeweilige Fremdsprache (deutsch beziehungsweise tschechisch) angeeignet werden.

Durch die Grenznähe zu Tachov (Entfernung Weiherhammer – Tachov zirka  38 km) kann die Ausbildung, die teils in Deutschland teils in Tschechien stattfindet, abwechselnd optimal an beiden Orten durchgeführt werden.

Zielgruppe und spezielle Zielsetzung

Zielgruppen sind Jugendliche und junge Erwachsene aus Deutschland und Tschechien, die in einer zweisprachigen dualen Ausbildung (deutsch/tschechisch) einen deutschen IHK-Beruf (derzeit Maschinen- und Anlagenführer; im nächsten Projekt ist der Industriemechaniker geplant) erlernen. Dieser ist sowohl in Deutschland als auch in Tschechien anerkannt.

Ziel ist das Bestehen der IHK-Abschlussprüfung und damit der Erhalt des Facharbeiterbriefes, das Erlernen der entsprechenden Fremdsprache sowie interkulturelle Kompetenzen.

Charakteristika (Inhalt, Ablauf, Umsetzung und Dauer der Maßnahmen)

Ein 4-wöchiger Intensivsprachkurs (Tschechisch-Deutsch) geht dem Beginn der Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer voraus. Dabei sollen erste Verständigungsprobleme abgebaut werden. Ziel ist es, am Ende des Projektes das Sprachniveau B1 bei den tschechischen und A2 bei den deutschen Jungendlichen zu erreichen (deutsch beziehungsweise tschechisch).

Damit sich die Auszubildenden trotz unterschiedlicher Mentalitäten und Verständigungsproblemen annähern, wird ein "Kennlernseminar mit Motivationstraining" im Hochseilgarten beziehungsweise auf Lehrpfaden angeboten, sowie – soweit es der Zeitplan zulässt – immer wieder gemeinsame Aktivitäten (zum Beispiel ein Besuch im Eisstadion oder des Weihnachtsmarktes) unternommen.

Die Ausbildungsdauer zum Maschinen- und Anlagenführer beträgt 2 Jahre (geplant: Industriemechaniker: 3,5 Jahre). In dieser Zeit werden den Auszubildenden alle Kenntnisse und Fertigkeiten gemäß dem Rahmenlehrplan vermittelt. Zusätzlich werden weitere berufsbezogene Schlüsselqualifikationen vermittelt. Dazu gehören auch Zusatzkenntnisse wie CNC, Sprachkurs zur Festigung und Erweiterung des Wortschatzes, Hydraulik, Pneumatik, Automatisierungstechnik et cetera Die praktische Ausbildung findet in Deutschland in der Lehrwerkstatt an Maschinen (die dem derzeit technischen Standard entsprechen) statt. Die theoretische Ausbildung und die Einbindung in praktische Tätigkeiten finden blockweise sowohl in Deutschland als auch in Tschechien statt.

Um fit für die Prüfung zu sein, finden in der Berufsschule in Deutschland und in der Übungs-firma Youcomp spezielle Vorbereitungskurse statt.

Regelmäßige Sprachkurse mit technischen Fachbegriffen zur Festigung und Erweiterung des Grundwortschatzes sowie zur weiteren Überwindung der Sprachbarriere gehören zur Routine.

Erfahrungen bei der Umsetzung

Anfängliche Verständigungsprobleme wurden durch einen Intensivsprachkurs und durch weitere zusätzliche Sprachtrainings reduziert. Nach knapp einem Jahr waren die Sprachkenntnisse so weit fortgeschritten, dass der Unterricht ohne Dolmetscher gehalten werden konnte.

Ebenfalls als schwierig zeigten sich die unterschiedlichen Mentalitäten und die Arbeits- und Berufserwartungen beziehungsweise -einstellungen (Pünktlichkeit, Disziplin et cetera) bei den deutschen und tschechischen Jugendlichen. Diese führten dazu, dass es zum Anfang eine deutsche und ein tschechische Gruppe gab, was zum Teil auch an der sprachlichen Verständigung lag. Der Ehrgeiz und die Motivation der beiden Gruppen haben jedoch dazu beigetragen, dass diese Startprobleme mittlerweile überwunden wurden und sich enge soziale Kontakte entwickelten.

Welche innovative Wirkung hat Ihre Initiative für die berufliche Aus- und Weiterbildung in Deutschland?

Durch die zweisprachige Ausbildung sind die Auszubildenden sowohl in Deutschland als auch in Tschechien einsetzbar. Des Weiteren ist der Beruf des Maschinen- und Anlagenführers sehr vielseitig und die Auszubildenden dadurch sehr flexibel einsetzbar.

Durch diese Flexibilität und die entsprechenden Sprachkenntnisse, können sich die Absolventen sowohl im In- wie auch im Ausland beruflich weiterentwickeln, zum Beispiel den Industriemechaniker oder später auch den Industriemeister erlangen.

Hat Ihre Initiative bereits bekannte Konzeptionen optimiert, und wenn ja, in welcher Weise?

Die erste deutsch-tschechische Fachklasse zum Maschinen- und Anlagenführer ist ein Pilotprojekt. Eine Konzeption in dieser Form lag bisher noch nicht vor.

Dieses Projekt soll auf Grund von steigendem Interesse, das sich in den vermehrten Anfragen von Unternehmen widerspiegelt, fortgesetzt beziehungsweise ausgebaut werden.

Wie ist Ihre Initiative in ein Personal- beziehungsweise Organisationsentwicklungskonzept eingebunden?

Nach wie vor sind die Landkreise im Amtsbezirk der Agentur für Arbeit Weiden mit den Problemen einer Grenzregion, allerdings mit gewandelten Inhalten, konfrontiert. Nach Einschätzung des Raumordnungsberichts der Bayerischen Staatsregierung gehört die Region zur Klasse "Grenzland und strukturschwache Region".

Um eine Abwanderung der ansässigen potenziellen Auszubildenden in Ballungsräume zu vermeiden, dem Fachkräftemangel vorzubeugen und Bezug nehmend auf die EU-Osterweiterung schafft das Projekt "deutsch-tschechische Fachklasse" zusätzliche Ausbildungsplätze. Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen verlangen eine immer stärkere Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern (Deutschland und Tschechien). Ein Austausch von Personal setzt dadurch nicht nur entsprechende Sprachkenntnisse voraus, sondern auch den Einsatz von geschultem Fachpersonal, das auch interkulturell ausgebildet ist. Diese Voraussetzungen werden mit der deutsch-tschechischen Fachklasse optimal vermittelt.

Wie trägt Ihre Initiative zur Entwicklung von Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Handlungskompetenz bei?

Im Projekt erfolgt eine reguläre Ausbildung überwiegend durch projekt- und prozessorientierte Gruppenarbeiten, die sich aus der Arbeitsrealität der Übungsfirma konstruierten.

In der Übungsfirma werden die Teilnehmer durch die Projektleitung sowie durch den Ausbilder angeleitet und an verschiedene Arbeitsrealitäten ihres Berufsfeldes herangeführt. Aufgaben sind in Kleinprojekten selbstständig zu lösen. Durch diese Abläufe, wie auch durch den Kontakt mit dem tschechischen Projektpartner, trainieren die Teilnehmer neben den fachlichen Qualifikationen auch Schlüsselqualifikationen und können bereits in der Ausbildung Kontakte zum Nachbarland und dessen Unternehmen knüpfen.

Welche Lehr- und Lernmethoden werden in Ihrer Initiative angewendet?

Das Projekt "Youcomp" sieht den virtuellen Aufbau einer Übungsfirma in Kooperation mit einem tschechischen Projektpartner vor.

Zusätzlich findet Blockbeschulung in der Europaberufsschule Weiden und in der Schule in Tachov statt. Ebenfalls wird von der Übungsfirma theoretische und praktische Prüfungsvorbereitungen durchgeführt sowie berufsbezogene Seminare (CNC, Hydraulik, Pneumatik, …) angeboten, die von externen und/oder internen Dozenten gehalten werden.

 

Wie fördert die Initiative das arbeitsplatzbezogene Lernen?

Jeder Auszubildende hat seinen eigenen Arbeitsplatz, wobei bei Projektarbeiten immer ein deutscher und ein tschechischer Auszubildender ein Team bilden.

Das Lernen am Arbeitsplatz wird durch sogenannte Lerntafeln mit den Bezeichnungen der Maschinen, Werkzeuge und Arbeitsabläufe in deutscher und in tschechischer Sprache unterstützt. Der Unterricht findet abwechselnd in deutscher und tschechischer Sprache statt, um die Fremdsprachenkenntnisse zu erweitern und zu festigen.

Wurde Ihre Initiative vom Unternehmen selbst oder maßgeblich von Beratern entwickelt?

Dieses Projekt wurde von Youcomp e. V. selbst entwickelt, in Zusammenarbeit mit der tschechischen Schule und der IHK Regensburg. Unterstützt wurde Youcomp dabei u. a. auch von der Europa-Berufsschule Weiden und den Partnerfirmen.

Wer ist der Kostenträger der Initiative? (gegebenenfalls externe Finanzierung aufführen)

Die Kostenträger setzen sich bisher auf deutscher Seite aus Eigenmitteln des Trägers (Youcomp) beziehungsweise der Projektpartner und Fördergeldern aus dem Interreg-Programm zusammen.

Ein langfristiges Ziel ist es jedoch, künftige Folgeprojekte ohne Fördergelder durchführen zu können.

Otto Wolff-Stiftung Deutscher Industrie und Handelskammertag e.V.
DIHK | Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V.
Breite Straße 29, D-10178 Berlin, infocenter@berlin.dihk.de, www.initiativpreis.de