Seminarzentrum Göttingen

Seminarzentrum Göttingen – entwickelte einen strukturierten Weg für Universitätsabsolventen hinein in den Mittelstand

Filmbeitrag zum Projekt

Anlass für die Initiative (Problemstellung)

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die über 99 Prozent der Unternehmen in Deutschland repräsentieren, benötigen zunehmend qualifizierten Führungsnachwuchs. Ihnen fehlen allerdings häufig die finanziellen Mittel und personellen Ressourcen, um die notwendigen betriebsbezogenen Einarbeitungsprogramme durchzuführen. Bei Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern liegt der Akademikeranteil immerhin bei knapp zehn und bei Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern bei doch deutlich über zehn Prozent.

Eigenständige Traineeprogramme sollten somit auch für KMU ein wichtiges personalpolitisches Instrument zur Nachwuchssicherung darstellen. Dieses Instrument war in KMU an den Hochschulstandorten Göttingen, Berlin und Hannover zum Zeitpunkt der jeweiligen Projektingangsetzung durch SZG (Göttingen 1998, Berlin 2000, Hannover 2008) nicht etabliert, so dass die Qualifikationspotenziale der regionalen Hochschulabsolventen kaum erschlossen wurden.

 

Zielgruppe und spezielle Zielsetzung

Ziel von SZG war es, praxisbezogene Traineeprogramme für kleine und mittlere Unternehmen zu etablieren. Die systematische Zusammenführung von Hochschulabsolventen mit KMU der Region korrespondierte mit der regionalen Wirtschaftsförderung. Zum einen im Hinblick auf das Angebots- und Entwicklungspotenzial auf Unternehmensseite, zum anderen mit Blick auf eine zentrale arbeitsmarktpolitische Kernaufgabe der Vermittlung von Absolventen der verschiedenen Fachrichtungen.

Es gibt damit zwei Zielgruppen: Regionale KMU mit über die Initiative ermitteltem Bedarf an Führungsnachwuchs und ohne eigene strategische Berufseinstiegs- bzw. Rekrutierungsprogramme.

Darüber hinaus arbeitsuchende Hochschulabsolventen sämtlicher Fachrichtungen, die über die Initiative dafür sensibilisiert werden, ihre Qualifikationspotenziale gezielt in der Region einzubringen bzw. einen durchaus perspektivischen Berufseinstieg als Führungsnachwuchskraft in kleinen und mittleren Unternehmen anzustreben.

Die spezielle Zielsetzung der Traineeprogramme ist die Implementierung von Traineepartnerschaften als Instrument einer systematischen Personalentwicklung in KMU. Damit sollen die Trainees auf die Übernahme künftiger verantwortlicher Aufgaben in kleinen und mittleren Unternehmen der jeweiligen Region gezielt vorbereitet werden. Absolventen der verschiedensten Fachrichtungen und Unternehmen finden über die Traineeprojekte systematischer als bisher zueinander.

 

Charakteristika (Inhalt, Ablauf, Umsetzung und Dauer der Maßnahmen)

Die Traineeprogramme laufen in der Regel über 12 bis 15 Monate. Der vorausgehende Matchingprozess nimmt durchschnittlich 2 bis 3 Monate in Anspruch. Integriert ist im Einzelfall eine traineevorbereitende 5-wöchige Theorie- und Trainingsphase, traineeprogrammbegleitende Seminare sowie Mentoring und Coaching der Traineepartnerschaften.

Die Prozessschritte sind im Einzelnen:

  • Informationsveranstaltung für interessierte Absolventen
  • Auswertung der digitalen Bewerbungsunterlagen durch SZG
  • Ca. 1,5-stündiges Bewerberauswahlcoaching im Sinne einer Potenzialanalyse der fachlichen und persönlichen Stärken sowie Erstellung individueller aussagekräftiger Bewerberqualifikationsprofile durch SZG
  • Unternehmensbesuch bei KMU mit identifiziertem Führungsnachwuchskräftebedarf sowie Erstellung von Anforderungsprofilen für die zu besetzenden Traineestellen durch SZG
  • Abschluss einer Partnerschaftsvereinbarung im Rahmen des jeweiligen Private-Partnership-Modells bzw. Abschluss eines Kooperationsvertrages zwischen SZG und den beteiligten KMU
  • Abgleich der Unternehmensbedarfe mit den Qualifikationsprofilen der Bewerber für ein individuell-passgenaues Traineematching durch SZG
  • Standortbezogen das Angebot 5-wöchiger traineevorbereitender Theorie- und Trainingsphasen bei SZG zur Erlangung wesentlicher Schlüsselkompetenzen der Traineebewerber
  • Flexibler Startzeitpunkt der 12- bis 15-monatigen "Training on the job" Phase nach Abschluss eines Traineevertrages
  • Traineebegleitende Qualifizierung durch modulares Seminarangebot bei SZG
  • Traineebegleitendes Mentoring bzw. Coaching
  • Programmbegleitende Veranstaltungen: Get together, Business Frühstück, Vortragsveranstaltungen

 

Erfahrungen bei der Umsetzung

Seit 1998 sind mehr als 300 Traineepartnerschaften in über 150 regionalen KMU geschlossen worden. Über 80 Prozent der Hochschulabsolventen bleiben der Region im Anschluss an die Traineeprogramme als Führungsnachwuchskräfte erhalten.

Die "untypischen" kreativen Ansätze bei der erfolgreichen Vermittlung von Quereinsteigern und hier insbesondere die passgenaue Auswahl von Bewerbern durch SZG und die damit verbundene enorm hohe Trefferquote sind wesentliche Gründe dafür, dass eine Vielzahl der beteiligten Unternehmen die regionalen Traineeprogramme bereits in langjährig bewährter Kooperation als Instrument zur Unterstützung einer strategisch implementierten Personalentwicklung nutzen.

Positive Erfahrungen berichten die ehemaligen Trainees vor allem in den nachfolgenden Bereichen:

  • Chancen und Möglichkeiten der eigenen Entwicklung erkennen
  • Persönliche Stärken und Potenziale wahrnehmen und darauf aufsetzen
  • Auf- und Ausbau eines karrierefördernden Netzwerkes

Durch den unternehmensübergreifenden Projektansatz bieten sich für den Traineegeber zusätzliche Vorteile:

  • Geringe Personalkosten in der Einarbeitungsphase
  • Zeitersparnis bei der Stellenbesetzung
  • Vermeidung von Fehlbesetzungen
  • Qualifizierung weiterer Mitarbeiter durch begleitende Seminarangebote
  • Professionalisierung der Personalrekrutierung und Führungsnachwuchsentwicklung

 

Welche innovative Wirkung hat Ihre Initiative für die berufliche Aus- und Weiterbildung in Deutschland?

Die regionalen Traineeprogramme sind weder speziell auf eine Branche noch auf eine Region ausgerichtet und damit als Personalentwicklungsprogramm auf die verschiedenen Regionen und Unternehmen übertragbar.

Sie zielen maßgeblich darauf ab, Führungsnachwuchskräfte längerfristig an die beteiligten KMU und somit an die jeweilige Region zu binden. Nicht zuletzt durch das Angebot einer passgenauen individuellen Bewerberauswahl sowie der systematischen-begleitenden Qualifizierungsangebote ist ein für KMU neues Rekrutierungsinstrument etabliert worden. Durch die traineeprogrammbegleitenden Leistungsbestandteile bzw. der Kooperation bei der Realisierung von Traineepartnerschaften wird auch kleinen Unternehmen ermöglicht, eine gezielte Führungsnachwuchsentwicklung zu realisieren.

 

Hat Ihre Initiative bereits bekannte Konzeptionen optimiert, und wenn ja, in welcher Weise?

Traineeprogramme waren vor dem Pilotprojekt "GÖtrain" nahezu ausschließlich als Nachwuchsentwicklungskonzept großer Unternehmen bekannt. Dabei haben sich bei den jeweiligen Unternehmen über die Jahre der Anwendung gewisse Standardisierungen in den Programmen und Prozessen ergeben. Das Pilotprojekt "GÖtrain" hat in mehrfacher Hinsicht zu einer Optimierung geführt: Mit dem Projekt wurde ein Konzept initiiert, das konkret auf die spezifischen Anforderungen und Bedarfe regionaler KMU zugeschnitten war. Anstelle von Elementen wie Bewerbermessen oder Career Days, die typischerweise den Rekrutierungsimpuls bei großen Unternehmen darstellen, wurden regionale Absolventen zu Bewerberpools gebündelt und individuelle Bewerberprofile erarbeitet, die es galt, auf die spezifischen und individuellen Anforderungen regionaler KMU hin abzugleichen.

Die Suche nach Führungsnachwuchs konzentriert sich in KMU insbesondere auf die Besetzung von spezialisierten Aufgabenbereichen, den Bedarf an Allrounder-Kompetenzen sowie an kaufmännischer und projektorientierter Assistenztätigkeit. Die Umsetzung einzelner Projektelemente durch SZG (Ansprache von Hochschulabsolventen und KMU, Bewerberauswahlcoachings und Matching regionaler Traineepartnerschaften, Gestaltung der traineevorbereitenden und -begleitenden Theorie- und Trainingsphasen, Abstimmung von Traineeablaufplänen, begleitendes Traineementoring etc.) kommt hier den individuellen Anforderungen der einzelnen regionalen Traineepartnerschaften entgegen.

 

Wie ist Ihre Initiative in ein Personal- beziehungsweise Organisationsentwicklungskonzept eingebunden?

Die enge Verzahnung der regionalen Traineeprogramme zu den Organisationsentwicklungskonzepten der einzelnen Trainee(partner)unternehmen ergibt sich aus den Themenstellungen innerhalb der "Training on the job" Phase sowie aus den traineevorbereitenden und -begleitenden Seminar- und Coachingangeboten.

Die regionalen Traineeprogramme dienen der langfristigen und vorausschauenden Sicherung der benötigten personellen Ressourcen. Die begleitenden modularen Seminarangebote stehen neben den Trainees auch weiteren Mitarbeitern der Unternehmen zur Verfügung. So ergeben sich mit der Initiative Synergieeffekte. Themenbedarfe werden hier von SZG im Vorfeld gezielt mit den beteiligten KMU abgestimmt und unterstützen somit die konkrete Weiterbildungsplanung in den Unternehmen. Gerade die Unternehmenspartner, die über mehrere Jahre bereits Projektpartner sind, sehen die von SZG begleiteten Traineeprogramme mittlerweile als echtes Element ihrer Organisationsentwicklung.

 

Wie trägt Ihre Initiative zur Entwicklung von Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Handlungskompetenz bei?

Mit den traineevorbereitenden und begleitenden Seminar- und Coachingangeboten werden die Trainees beim Erkennen und Trainieren vorhandener und ausbaufähiger sozialer, persönlicher und methodischer Kompetenzen unterstützt. Persönliche Stärken und Entwicklungspotenziale münden in der Regel direkt im Anschluss an die Vorbereitungsseminare in neue und konkrete Bewerbungsinitiativen. Die Bereitschaft zur Übernahme von verantwortlichen Teilaufgaben wird im Rahmen der Traineeprogramme von Anfang an gefördert. Die Vielfalt und direkte Berührung mit unternehmerischen Aufgaben in einem KMU erlaubt es den Trainees, ihre fachliche Eingangskompetenz überdurchschnittlich schnell zu einer neuen ganzheitlichen Handlungskompetenz auszubauen und zu professionalisieren.

 

Welche Lehr- und Lernmethoden werden in Ihrer Initiative angewendet?

Im Rahmen der traineevorbereitenden Theorie- und Trainingsphase sowie der traineebegleitenden Seminarangebote kommen folgende Methoden zum Einsatz: Fachtheoretischer Input des Dozenten, Impulsvortrag, Fallbeispiele aus der Praxis, Einzel- und Gruppenübungen, kurze Selbstlernphasen, praktische Übungen in Testsituationen (Simulationen), Workgroups, Diskussionsforen sowie die Bearbeitung und Präsentation von Praxis-Fallstudien.

 

Wie fördert die Initiative das arbeitsplatzbezogene Lernen?

Durch das auf die Bedarfe der beteiligten Unternehmen zugeschnittene Seminarangebot werden gezielt themenorientierte Qualifizierungsbedarfe der Trainees und Mitarbeiter identifiziert und umgesetzt. Der Praxisbezug und die Passgenauigkeit der begleitenden Seminare und Trainings ist damit sichergestellt. Während der "Training on the job"-Phase in den Unternehmen stellt das begleitende Mentoring bzw. Coaching der Traineepartnerschaften durch SZG ein wesentliches Element zur Sicherung der arbeitsplatzbezogenen Lernfortschritte dar.

 

Wurde Ihre Initiative vom Unternehmen selbst oder maßgeblich von Beratern entwickelt?

"Von der Region für die Region" überschrieb den Projektgedanken, der Elemente klassischer Traineeprogramme großer Unternehmen als Ausgangsbasis für die Konzeption eigener Projektelemente und Bausteine bildete. SZG, selbst ein mittelständisches Unternehmen, kennt die Bedarfe von KMU aus eigener Erfahrung und hat die klassischen Traineeprogramme an die Bedarfe kleiner und mittlerer Unternehmen angepasst und weiterentwickelt bzw. zu einem Gesamtkonzept zur Zusammenführung der beiden Zielgruppen KMU und Hochschulabsolventen gestaltet. In der Konzeptionsphase wurden dabei die besonderen Aspekte der designierten Beteiligten in Gesprächen und Interviews mit Multiplikatoren (u.a. IHK und Wirtschaftsförderung), Hochschulteams der Agenturen für Arbeit und Unternehmern aus dem Kreis der regionalen KMU erhoben und eingebunden.

 

Wer ist der Kostenträger der Initiative? (gegebenenfalls externe Finanzierung aufführen)

Auf Basis kooperationsvertraglicher Rahmenbedingungen werden die Rekrutierung und das Matching der Traineepartnerschaften sowie begleitende Seminar- und Coachingangebote durch die beteiligten Traineeunternehmen finanziert. Standortbezogen gibt es darüber hinaus das Angebot einer traineevorbereitenden Qualifizierung über eine fünfwöchige Theorie- und Trainingsphase zur Erlangung wesentlicher Schlüsselqualifikationen. Für diese Qualifizierung gibt es im Einzelfall der konkreten Traineebewerber grundsätzliche Fördermöglichkeiten der regionalen Agenturen für Arbeit oder sonstiger Kostenträger.

Otto Wolff-Stiftung Deutscher Industrie und Handelskammertag e.V.
DIHK | Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V.
Breite Straße 29, D-10178 Berlin, infocenter@berlin.dihk.de, www.initiativpreis.de