Preisträger: SOS-Berufsausbildungszentrum Berlin

Modellprojekt zur Berufsausbildung von Müttern und jungen Frauen im Büro- und Medienbereich

Anlass für die Initiative (Problemstellung)

Viele junge Mütter sind durch die Doppelbelastung von Ausbildung und Kindererziehung nicht in der Lage eine Berufsausbildung zu machen. Mit dem Modellprojekt der modularisierten Qualifizierung und der Verkürzung der täglichen Arbeitszeiten erhalten die Mütter die Möglichkeiten der Berufsausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation und der Betreuung der Kinder. Weiterhin fällt es jungen Frauen schwer, sich für technische Berufe zu entscheiden. Mit der gezielten Qualifizierung von jungen Frauen zur Mediengestalterin für Bild und Ton wird der Einstieg in einen kreativen technischen Beruf ermöglicht.

Zielgruppe und spezielle Zielsetzung

Für junge Mütter, die zum Teil allein erziehend sind, bestehen Probleme, neben einer Berufsausbildung den Anforderungen der Kindererziehung und der Haushaltsführung gerecht zu werden. Ohne berufliche Qualifizierung erreichen diese Frauen keinen Einstieg in die Arbeitswelt. Mit dem Modellprojekt werden Mütter gefördert und erhalten die Möglichkeit zur beruflichen Integration.

Charakteristika (Inhalt, Ablauf, Umsetzung und Dauer der Maßnahmen)

Die Berufsausbildung dauert drei Jahre. Die Berufsausbildung erfolgt beim außerbetrieblichen Träger im Verbund mit Unternehmen und der Berufsschule. In der Berufsausbildung für Mütter zur Kauffrau für Bürokommunikation wird die tägliche Arbeitszeit auf sechs Stunden reduziert und die Ausbildung in Form von modularisierten Qualifizierungseinheiten strukturiert. In der Ausbildung der jungen Frauen im Medienbereich werden die Lern- und Arbeitsbedingungen auf die Kreativität und das modularisierte Erlernen von technischen Bedingungen für Frauen ausgerichtet.

Erfahrungen bei der Umsetzung

Die Mütter bringen große Motivation in die Ausbildung ein und arbeiten strukturiert am Ausbildungserfolg. Sie haben zuvor häufig Absagen erhalten und nun die Möglichkeit der beruflichen Qualifikation, der beruflichen Präsentation und der Erprobung in verschiedenen Betrieben. Die Betriebe geben als Rückmeldung, dass die Mütter zielgerichtet arbeiten und oft mehr Selbstständigkeit zeigen als vergleichbare Auszubildende der normalen Ausbildung. Es konnten für die betrieblichen Ausbildungspraktika viele Betriebe gewonnen werden, die sonst nicht ausgebildet hätten.
Im Medienbereich zeigen die jungen Frauen starkes Durchhaltevermögen bei komplexen Anforderungen und große Kreativität bei der Gestaltung. Oft können die Medienbetriebe nicht das gesamte Spektrum der Ausbildung sichern beziehungsweise haben nicht die Zeit und ausreichendes Personal um die gesamte Ausbildung zu ermöglichen. Durch die Ausbildungskooperation mit dem SOS-Berufsausbildungszentrum haben die Betriebe die Möglichkeit an der Ausbildung mitzuwirken.

Welche innovative Wirkung hat Ihre Initiative für die berufliche Aus- und Weiterbildung in Deutschland?

In Deutschland ist eine familiengerechte Arbeitswelt nicht ausreichend gesichert. Mütter und junge Frauen haben noch immer Nachteile in der Beteiligung an der Arbeitswelt. Daher ist die vorliegende Initiative modellhaft und zeigt, dass in den vorhandenen Bedingungen mehr möglich ist als bisher umgesetzt wird. Die flexible Anwendung der vorhandenen Ausbildungsbedingungen schafft mehr Ausbildungsplätze.

Hat ihre Initiative bereits bekannte Konzeptionen optimiert, und wenn ja, in welcher Weise?

Über den Ausbildungsplan hinaus wurden für die Gestaltung der Ausbildung in beiden Bereichen besondere Qualifizierungsmodule entwickelt. Weiterhin ist durch die Einbindung des SOS-Berufsausbildungszentrums auch eine persönliche Beratung der Mütter und auch der Betriebe durch sozialpädagogische Fachkräfte möglich. Betriebe werden von Verwaltungsaufwand und Risiken entlastet, für die Teilnehmerinnen ist schnelle Hilfe und Kooperation vorhanden.

Wie ist Ihre Initiative in ein Personal- beziehungsweise Organisationsentwicklungskonzept eingebunden?

Berufsausbildung von Müttern und jungen Frauen ist nur mit und in Betrieben sinnvoll, damit anschließend eine betriebliche Integration erfolgt. Aus dieser Kombination sind bereits viele Synergien erfolgt, die in Berlin-Mitte erprobt wurden.

Wie trägt Ihre Initiative zur Entwicklung von Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Handlungskompetenz bei?

Die Kooperation mit Behörden, Kammern, Verbänden und der Arbeitsagentur sowie den Jugendämtern ermöglicht schnelle und zuverlässige Hilfe für die Bewerber und Auszubildenden.

Welche Lehr- und Lernmethoden werden in Ihrer Initiative angewendet?

Zielvereinbarungen setzen konkrete erreichbare Ausbildungsziele. Die Ausbildung wird mit verschiedenen Methoden umgesetzt. Für die Qualifizierung der Mütter wurde der Ausbildungsplan derart gestaltet, dass eine modulare Qualifizierung möglich wird.

Wie fördert die Initiative das arbeitsplatzbezogene Lernen?

Die Ausbildung erfolgt stets an realen betrieblichen Anforderungen. Es bestehen Ausbildungsbetriebe mit tatsächlichen Leistungsanforderungen und keine "Übungsfirma". Somit bestehen in allen Bereichen konkrete Leistungsanforderungen, Kundenorientierung, Zeitvorgaben und Ergebnisorientierung. Durch die realen Arbeitsanforderungen ist die Motivation der Auszubildenden und Teilnehmer sehr hoch.

Wurde Ihre Initiative vom Unternehmen selbst oder maßgeblich von Beratern entwickelt?

Die Initiative wurde aus der eigenen Ausbildungsarbeit entwickelt. Grundlage war eine gezieltere Förderung von jungen Menschen zum Abbau von Benachteiligungen. Das Modellprojekt wurde überwiegend von den Ausbildungsteams entwickelt und vorbereitet.

Geben Sie den Kostenträger der Initiative an (ggf. externe Finanzierung aufführen).

Die wesentlichen Mittel der Arbeit kommen aus Spenden die der SOS-Kinderdorf e.V. von über zwei Millionen Förderern in der Bundesrepublik Deutschland erhält. Der SOS-Kinderdorf e.V. feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum. Auch das SOS-Berufsausbildungszentrum Berlin hat Projektpatenschaften und erhält gezielte Spenden sowie Zuschüsse durch die Arbeitsagenturen, die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen in Berlin und durch Jugendämter.

Ansprechpartner

Burkhard Schäfer, SOS-Kinderdorf e. V., Oudenarderstr. 16, 13347 Berlin

Otto Wolff-Stiftung Deutscher Industrie und Handelskammertag e.V.
DIHK | Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V.
Breite Straße 29, D-10178 Berlin, infocenter@berlin.dihk.de, www.initiativpreis.de