Preisträger: Bayer Industry Services GmbH & Co., Leverkusen

BayWay – Learn to Lead

Anlass für die Initiative (Problemstellung)

Angesichts der Umstrukturierung im Bayer Konzern sollte ein einheitliches Führungsverständnis an einen großen internationalen Teilnehmerkreis vermittelt und gleichzeitig der Aufbau individueller Führungskompetenzen erreicht werden. Nachwuchsführungskräfte sollten fit gemacht werden für die internationale Zusammenarbeit und gleichzeitig sollten Soft-Skills über Raum- und Zeitgrenzen hinweg bei vertretbarer Abwesenheit vom Arbeitsplatz gefördert werden. Gleichzeitig ging es für die Bayer Industry Services darum, sich im Konzern als innovativer Partner mit einem attraktiven Dienstleistungsangebot im internationalen Umfeld zu profilieren.

Zielgruppe und spezielle Zielsetzung

BayWay – Learn to Lead richtet sich an Nachwuchsführungskräfte mit erster Führungserfahrung, Team- und Projektleiter mit Führungsfunktion und erfahrene Führungskräfte. Da BayWay ein internationales Programm ist, kommen die Teilnehmer aus der ganzen Welt. Das grundlegende Ziel von BayWay ist, sowohl ein gemeinsames Führungsverständnis im gesamten Bayer-Konzern aufzubauen als auch den Führungskräften konkrete Hilfestellung bei individuellen Führungsproblemen anzubieten. Durch die integrative Nutzung verschiedener Lernmedien und -methoden sollte nicht nur aktuelles Führungs- und Managementwissen vermittelt, sondern auch eine nachhaltige Veränderung des Verhaltens am Arbeitsplatz erreicht werden. Darüber hinaus bestand die Notwendigkeit, vor allem Nachwuchsführungkräfte für die immer wichtiger werdende Team- und Zusammenarbeit auf internationaler Ebene fit zu machen. Dies und die Tatsache, dass die Teilnehmer aus der ganzen Welt kommen, legten es nahe, teilweise auf virtuelles Lernen zurückzugreifen

Charakteristika (Inhalt, Ablauf, Umsetzung und Dauer der Maßnahmen)

BayWay ist ein internationales englischsprachiges Management Development Programm, bei dem die Teilnehmer in einem kontinuierlichen und integrierten zehnmonatigen Lernprozess insgesamt drei Phasen durchlaufen:

Phase I: Knowledge Building

Nach einer (virtuellen) Kick-Off-Veranstaltung geht es zunächst um den Wissensaufbau der Teilnehmer. Das Kern-Curriculum umfasst 17 Module, die fünf Themenbereichen zugeordnet sind. Die Teilnehmer lernen teilweise individuell am Arbeitsplatz und bekommen durch Fallstudien, Übungen zur Selbstreflexion und Wissenstests die Möglichkeit, das Gelernte zu reflektieren. Einen großen Anteil hat auch das Bearbeiten von Problemstellungen in einem internationalen Team, das während der Kick-Off-Veranstaltung gebildet wurde.

Phase II: Learning Lab

Hier wird den Teilnehmern in einer Open-Space-Veranstaltung mit verschiedenen Einzelworkshops die Möglichkeit gegeben, individuelle Schlüsselthemen aus dem Kern-Curriculum praktisch auszuprobieren. Das Learning Lab bietet eine Lernumgebung, in der alle Teilnehmer zusammenkommen und unterstützt von Trainern und Führungsexperten komplexe Führungsfragen erkunden. Training, Fallstudien, Rollenspiele, Workshops, Teamübungen wechseln sich ab.

Phase III: Action Learning

Hier sollten die Teilnehmer das Gelernte aus den vorherigen Phasen in konkrete Handlungen umsetzen und in Ihrem Arbeitsumfeld anwenden. Besondere Bedeutung wird auf die Umsetzung eines persönlichen Action-Plans gelegt. Dieser wurde während der ersten beiden Phasen entwickelt. Im Rahmen eines internationalen Team-Projekts sollen die Teilnehmer außerdem ihre Erfahrungen mit anderen Teilnehmern austauschen. Bei einem finalen BayWay-Congress werden diese Ergebnisse präsentiert und diskutiert.

Erfahrungen bei der Umsetzung

Mit dem Ziel einer Eigenentwicklung wurde zunächst ein Pilotprojekt durchgeführt, um erste Erfahrungen mit der Methodik des Blended Learning und der virtuellen Kommunikation mit den Teilnehmern zu sammeln. Den zentralen Bestandteil der Eigenentwicklung stellte die WBT-Entwicklung mit neuen Inhalten dar. Viel Wert wurde bei der Entwicklung der 17 Module auf die inhaltliche Schlüssigkeit und wissenschaftliche Fundierung des vermittelten Führungs- und Managementwissens gelegt. Ende Mai 2004 fiel der Startschuss für den ersten Durchlauf des Programms BayWay 2004, für das durch intensives Marketing rund 60 Teilnehmer mehr als 15 Nationen gewonnen werden konnten. Obwohl die aktuelle BayWay-Runde noch nicht beendet ist, zeichnet sich jetzt schon ab, dass die Weiterentwicklung von BayWay nach dem Piloten 2003 deutliche Verbesserungen bewirkt hat, denn die aktive Beteiligung der Teilnehmer hat schon in der ersten Phase deutlich zugenommen. Das Feedback zeigt, dass sowohl die Inhalte als auch der spezielle Methodenmix und vor allem die internationale virtuelle Teamarbeit bei den Teilnehmern sehr gut ankommen.

Welche innovative Wirkung hat Ihre Initiative für die berufliche Aus- und Weiterbildung in Deutschland?

Das Programm BayWay vermittelt zum einen ein gemeinsames Grundverständnis von Führung im gesamten Bayer Konzern über Landesgrenzen hinweg und zum anderen fördert es den Aufbau von individuellen Führungsfähigkeiten. Die enge Verbindung von strategischen Unternehmenszielen und HR-Strategien wird in der Zukunft immer größere Bedeutung für Weiterbildungsmaßnahmen haben, mit denen die Unternehmen nicht nur Wissen, sondern auch Werte und Leitgedanken vermitteln wollen. Das Prinzip BayWay lässt sich unabhängig von den Inhalten auf andere Programme bzw. Inhalte übertragen und eignet sich somit gut als Grundgerüst für andere innovative Weiterbildungsmaßnahmen.

Hat ihre Initiative bereits bekannte Konzeptionen optimiert, und wenn ja, in welcher Weise?

Nein

Wie ist Ihre Initiative in ein Personal- bzw. Organisationsentwicklungskonzept eingebunden?

Das Programm ist im Rahmen der umfassenden Reorganisation und strategischen Neuausrichtung des Bayer Konzerns initiiert und entwickelt worden. Die konkrete Zielsetzung für BayWay war und ist der Ausbau und die Weiterentwicklung von Führungs- und Managementkompetenzen als zentrale Erfolgfaktoren für das Unternehmen sowie die langfristige Stärkung der Unternehmens- und Führungskultur des global agierenden Bayer Konzerns. BayWay ist ein Instrument welches hilft, die neue Führungsphilosophie zu verbreiten und erfolgreiche Führungskräfte zu entwickeln. Bay Way ist ein wichtiger Baustein im Personal- und Organisationsentwicklungskonzept des Bayer Konzerns.

Wie trägt Ihre Initiative zur Entwicklung von Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Handlungskompetenz bei?

BayWay ist ein zehnmonatiges integriertes Blended-Learning-Programm, das ohne Eigeninitiative und eigenverantwortliches Arbeiten nicht durchführbar wäre. In sehr starkem Maße sind die Teilnehmer aufgefordert, ihren Lernprozess selbst zu steuern und die Umsetzung des Gelernten in die Praxis selbst in die Hand zu nehmen.

Welche Lehr- und Lernmethoden werden in Ihrer Initiative angewendet?

Je nach Phase werden bei BayWay unterschiedliche Lehr- und Lernmethoden angewendet:

Phase I:

Die Teilnehmer lernen computerunterstützt die Inhalte von 17 Modulen kennen, in denen Managementthemen vermittelt werden. Zu jedem Modul gibt es anwendungsbezogene Übungen. Weiterhin arbeiten die Teilnehmer in der ersten Phase in internationalen kleinen Teams per Chat und Telefonkonferenzen gemeinsam an kollaborativen Übungen, die von den BayWay-Tutoren angestoßen werden.

Phase II:

In einer Art Open-Space-Veranstaltung haben die Teilnehmer die Möglichkeit, in ständig wechselnden Gruppengrößen und -zusammensetzungen an ihrem Führungsverhalten zu arbeiten und in geschützter Atmosphäre neue Erfahrungen zu machen.

Phase III:

Die Teilnehmer arbeiten zum einen selbstorganisiert in Internationalen Teamprojekten und setzen zum anderen individuelle Entwicklungsvorhaben, die sie in einem Action Plan festhalten, in die Praxis um.

Wie fördert die Initiative das arbeitsplatzbezogene Lernen?

Bei BayWay steht im Vordergrund, die Führungskräfte dabei zu unterstützen, ihre Führungsaufgaben optimaler erfüllen zu können, dem arbeitsplatzbezogenen Lernen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

Zunächst sollen in einem Learning-Journal Punkte für den eigenen Führungsalltag festgehalten und vor dem Learning-Lab in Phase II zu konkreten, nachvollziehbaren Verbesserungsvorhaben in einem Action-Plan verdichtet werden. Besonders in der dritten Phase, der Action Learning-Phase spielt das Lernen durch direktes Anwenden am Arbeitsplatz eine zentrale Rolle.

Wurde Ihre Initiative vom Unternehmen selbst oder maßgeblich von Beratern entwickelt?

Das Programm wurde innerhalb des BIS Geschäftsfelds Training & Development entwickelt – unter Mitarbeit freiberuflicher Mitarbeiter und der HPM Human Potential Management GmbH.

Geben Sie den Kostenträger der Initiative an (ggf. externe Finanzierung aufführen).

Das Programm wird zu 100 Prozent von der Bayer Industry Services finanziert.

Ansprechpartner

Dieter Blum, Bayer Industry Services GmbH & Co. OHG, Gebäude E 1, 51368 Leverkusen

Otto Wolff-Stiftung Deutscher Industrie und Handelskammertag e.V.
DIHK | Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V.
Breite Straße 29, D-10178 Berlin, infocenter@berlin.dihk.de, www.initiativpreis.de